Purple Teaming bezeichnet die enge Zusammenarbeit zwischen angreifenden (Red Team) und verteidigenden (Blue Team) Sicherheitskräften. Statt getrennt voneinander zu agieren, entwickeln beide Seiten gemeinsam gezielte Angriffsszenarien, führen sie zusammen durch und analysieren die Ergebnisse im direkten Austausch. Durch diesen kollaborativen Ansatz lassen sich Schwachstellen nicht nur effizienter aufdecken, sondern auch direkt mit passenden Abwehrmassnahmen adressieren.
In diesem Beitrag erfahren Sie alles rund um das Thema Purple Teaming:
- Warum hat sich Purple Teaming als effektives Mittel für mehr Cybersicherheit etabliert?
- Was genau ist Purple Teaming?
- Welche Anwendungsbereiche eignen sich besonders?
- Wie läuft ein Purple-Teaming-Projekt typischerweise ab?
- Welche Vorteile bietet Purple Teaming im Vergleich zu anderen Testformen?
Inhaltsverzeichnis
Was ist Purple Teaming?
In der Cybersecurity werden die beteiligten Teams bei Angriffssimulationen traditionell in zwei Rollen eingeteilt: Red Team und Blue Team. Das Blue Team übernimmt die Verteidigung, etwa in Form eines internen Sicherheitsteams oder eines Security Operation Center (SOC). Das Red Team hingegen agiert als Angreifer, zum Beispiel durch Penetration Tester.
Bei den meisten Sicherheitsanalysen arbeiten diese Teams getrennt voneinander. Im Purple Teaming hingegen werden beide Seiten vereint: Red Team und Blue Team arbeiten zusammen, um Angriffsszenarien gemeinsam zu planen, durchzuführen und auszuwerten – mit dem Ziel, die Sicherheitsmassnahmen gezielt und effizient zu verbessern.

Red Team – die Angreifer
Das Red Team übernimmt die Rolle eines realen Angreifers. Es simuliert gezielte Cyberangriffe auf Systeme und Anwendungen, um Sicherheitslücken aufzudecken und Verteidigungsmassnahmen zu umgehen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden dokumentiert und dienen als Grundlage für konkrete Verbesserungen.
Möchten Sie mehr über Red Teaming erfahren? In diesem Blogpost gehen wir genauer auf dieses Thema ein.
Blue Team – die Verteidiger im Unternehmen
Das Blue Team ist für die Abwehr zuständig. Dies kann ein internes Sicherheitsteam, ein externes SOC oder auch ein hybrider Ansatz sein, bei dem zum Beispiel die First-Level-Analyse von einem externen SOC und die Reaktion dann von einem internen Team übernommen wird.
Das Blue Team erkennt, analysiert und reagiert auf Angriffsversuche. Mithilfe der Informationen des Red Teams kann es seine Detektionsmechanismen verfeinern und Schwachstellen gezielt beheben.
Purple Team – Zusammenarbeit für verbesserte Cybersicherheit
Im Purple Teaming arbeiten Red Team und Blue Team Hand in Hand. Während der Simulation von Angriffen tauschen sie Informationen in Echtzeit aus: Welche Angriffe waren erfolgreich? Welche Angriffe wurden geblockt oder erkannt? Wo besteht Verbesserungspotenzial?
Diese Form der Zusammenarbeit erlaubt es, Verteidigungsstrategien sofort zu hinterfragen und anzupassen. Damit entsteht ein iterativer Lernprozess, der über klassische Red-Teaming-Ansätze hinausgeht und die Cyberresilienz nachhaltig stärkt. Doch welche konkreten Angriffsszenarien lassen sich mit Purple Teaming eigentlich testen?
Welche Angriffsszenarien lassen sich mit Purple Teaming testen?
Purple Teaming eignet sich insbesondere, um gezielt Angriffsszenarien durchzuspielen und die Wirkung bestehender Sicherheitsmassnahmen zu evaluieren. Der Vorteil: Die Tests sind realitätsnah, werden aber kontrolliert durchgeführt und ermöglichen so einen gezielten Blick auf die eigenen Schwachstellen.
Im Folgenden zeigen wir drei typische Anwendungsbereiche von Purple-Teaming-Projekten:
Validieren und Optimieren von Use Cases & Playbooks
Ein zentraler Mehrwert von Purple Teaming liegt darin, bestehende Use Cases, Detection Rules oder Incident Response Playbooks gezielt zu testen und zu verbessern.
Dabei kann Folgendes durchgeführt werden:
- Testen bestimmter Tools oder Teile eines Angriffspfads
- Ermittlung der Nützlichkeit ausgewählter Use Cases
- Identifizierung von Unzulänglichkeiten bei der Blockierung oder Alarmierung bei entsprechenden Angriffen
- Infragestellung der Effektivität der ausgewählten Use Cases sowie der Versuche, die Erkennung zu umgehen
Angriffssimulation auf Basis realer Bedrohungsszenarien
Purple Teaming kann auch genutzt werden, um realistische Angriffsszenarien nachzustellen, etwa basierend auf TTPs (Tactics, Techniques, Procedures) bekannter Angreifergruppen oder auf vergangenen Vorfällen in der Branche.
Das ermöglicht unter anderem Folgendes:
- Erstellen einer Angriffssimulation auf der Grundlage bekannter Angreifer oder Angriffspfade
- Identifizierung von Lücken bei der Erkennung von Angriffen innerhalb der gesamten Angriffskette
- Suche nach alternativen Pfaden zur Umgehung von Verteidigungsfunktionen
Re-Test nach Incidents oder Red-Teaming-Einsätzen
Nach Sicherheitsvorfällen oder klassischen Red-Teaming-Übungen stellt Purple Teaming eine strukturierte Möglichkeit dar, die Wirksamkeit von Verbesserungsmassnahmen zu überprüfen.
Ziele eines solchen Re-Tests:
- Nachstellen eines Angriffspfads, wie er während eines Vorfalls oder eines Red-Teaming-Einsatzes beobachtet wurde
- Identifizierung der Fortschritte gegenüber vorhergehenden Iterationen/Tests
- Identifizierung von weiterem Verbesserungspotenzial
Wie läuft ein Purple-Teaming-Projekt ab?
Ein erfolgreicher Purple-Teaming-Einsatz lebt von klarer Kommunikation und enger Zusammenarbeit. Um maximale Erkenntnisse zu gewinnen, ist eine sorgfältige Planung ebenso entscheidend wie die aktive Kooperation beider Teams während der Durchführung.
Planung und Vorbereitung
Da beim Purple Teaming das Red Team und das Blue Team eng zusammenarbeiten, ist im Vorfeld eine koordinierte Planung notwendig. Beide Seiten müssen ein klares Verständnis darüber haben, welches Ziel verfolgt wird – etwa die Simulation eines bestimmten Angriffs oder das gezielte Testen interner Use Cases.
Je nach Szenario variiert der Vorbereitungsaufwand. Soll beispielsweise ein konkreter Angriffspfad simuliert oder ein bestimmter Use Case getestet werden, müssen zusätzliche Informationen beschafft und die Details vorab geklärt werden. Eine strukturierte Vorbereitung hilft dabei, mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen und im Testverlauf effizient zu lösen.
Wichtig ist auch, dass mindestens ein Mitglied des Blue Teams für technische Rückfragen zur Umgebung zur Verfügung steht, da die Szenarien häufig auf einer Mischung aus realen Bedrohungsakteuren, intern definierten Use Cases und Erkenntnissen aus vorherigen Red-Teaming-Einsätzen basieren.
Durchführung und technische Zusammenarbeit
Während der Durchführung kommt die besondere Stärke des Purple Teamings zum Tragen: die direkte Zusammenarbeit. Red Team und Blue Team stehen in engem Kontakt, um sich in Echtzeit oder bei Bedarf absprechen zu können. So lassen sich Angriffe und Verteidigungsmassnahmen abstimmen, ohne dass es zu Verzögerungen kommt.
Das Blue Team analysiert den Output seiner Sicherheitswerkzeuge während der simulierten Angriffe und kann direkt darauf reagieren, indem es z. B. Regeln anpasst, Alarmierungsmechanismen optimiert oder neue Detektionsmassnahmen testet. Parallel kann das Red Team seine Angriffsmethoden anpassen, um Umgehungsmöglichkeiten zu prüfen.
Nachbereitung und Lessons Learned
Im Gegensatz zum klassischen Red Teaming geht es beim Purple Teaming nicht um die erfolgreiche Kompromittierung der Umgebung, sondern darum, gemeinsam und möglichst effizient die Wirksamkeit der Sicherheitsmassnahmen zu prüfen.
Nach Abschluss der Tests werden die Ergebnisse gemeinsam ausgewertet:
- Was konnte erkannt werden?
- Was konnte blockiert werden?
- Welche Angriffe waren erfolgreich?
- Wo besteht Verbesserungspotenzial?
Die gewonnenen Erkenntnisse dienen als Basis für konkrete Massnahmen, beispielsweise die Optimierung von Detection Rules, die Stärkung der internen Prozesse oder die Weiterentwicklung bestehender Use Cases. So entstehen nicht nur bessere Verteidigungsstrategien, sondern es gibt auch einen nachhaltigen Know-how-Transfer zwischen Angreifer- und Verteidigerteam.
Was macht Purple Teaming besonders effektiv?
Effizienz durch gezielte Zusammenarbeit
Purple Teaming macht den Testvorgang auf beiden Seiten effizienter. Durch den direkten Austausch zwischen Red Team und Blue Team entfällt die langwierige Reconnaissance-Phase klassischer Red-Teaming-Einsätze. Die angreifende Seite weiss, welche Teile der Umgebung getestet werden sollen, und kann gezielt bestimmte Angriffspfade oder Payloads einsetzen.
Gleichzeitig kann das Blue Team dank Echtzeitkommunikation direkt nachverfolgen, welche Angriffe wann ausgeführt und welche davon erkannt bzw. nicht erkannt wurden. Die mit den Sicherheitswerkzeugen ermittelten Erkenntnisse können sofort genutzt werden, um Alarmierungsregeln anzupassen, Lücken zu identifizieren oder die Detektion zu verbessern.
Diese enge Zusammenarbeit spart nicht nur Zeit, sondern ermöglicht auch fokussierte, ressourcenschonende Tests mit unmittelbarem Mehrwert.
Tieferes Verständnis durch kontinuierliches Feedback
Im Gegensatz zum klassischen Red Teaming, bei dem die Ergebnisse meist erst am Ende dokumentiert und übergeben werden, lebt Purple Teaming vom ständigen Austausch. Die Teams analysieren gemeinsam, warum ein Angriff erkannt oder übersehen wurde, diskutieren Alarmmeldungen und optimieren ihre Strategien noch während des laufenden Tests.
Diese Iterationen ermöglichen tiefere Einblicke in die tatsächliche Wirksamkeit von Sicherheitsmassnahmen. Zudem können Angriffe erneut ausgeführt werden, zum Beispiel, um eine Anpassung der Verteidigung direkt zu validieren oder gezielt neue Umgehungsmethoden zu erproben. So entstehen messbare, nachvollziehbare Verbesserungen, die auf realen Szenarien basieren und über die reine Theorie hinausgehen.
Flexible Anpassung an reale Bedrohungslagen
Purple Teaming erlaubt es, dynamisch auf neue Erkenntnisse zu reagieren. Werden geplante Szenarien bereits früh im Test erfolgreich erkannt, lässt sich die verbleibende Zeit nutzen, um andere Use Cases, neue Angriffsmuster oder gezielte Umgehungstechniken zu testen.
Umgekehrt können bei Nichterkennung neue Verteidigungsregeln eingeführt und sofort auf ihre Wirksamkeit geprüft werden. Diese Flexibilität macht Purple Teaming zu einem besonders wirkungsvollen Instrument, um Verteidigungsmechanismen laufend weiterzuentwickeln – auch über den eigentlichen Testzeitraum hinaus.
Fazit – Purple Teaming für eine effektivere Cybersicherheit
Purple Teaming ist ein wirkungsvolles Instrument, um Verteidigungsfähigkeiten gezielt anhand realistischer Angriffsszenarien zu testen. Zusätzlich erlaubt Purple Teaming ein breites Spektrum an Tests, die von der vollständigen Simulation eines Angriffspfads bis hin zum fokussierten Test einzelner Use Cases reichen – je nach Zielsetzung und Reifegrad der Sicherheitsorganisation.
Zwar ersetzt Purple Teaming kein klassisches Red Teaming, doch es ist eine wertvolle Ergänzung, etwa zur Validierung neuer Massnahmen nach einem Red-Teaming-Einsatz oder zur kontinuierlichen Optimierung bestehender Detektionsmechanismen. Unternehmen profitieren von einem effizienten, praxisnahen Testansatz mit hoher Flexibilität und direktem Mehrwert für die Defensive. Mit langjähriger Erfahrung in Red- und Purple-Teaming-Projekten unterstützt Oneconsult Unternehmen dabei, ihre Cyberresilienz gezielt zu stärken. Unsere Expert:innen helfen Ihnen, praxisnahe Angriffsszenarien durchzuspielen, Schwachstellen sichtbar zu machen und Verteidigungsmassnahmen wirkungsvoll zu optimieren.